Spreewelten Bahnhof feiert 10-jähriges Bestehen

Seit 2006 wieder freundlicher Empfang am Lübbenauer Bahnhof

Zahlreiche Gäste stießen zum Jubiläum mit an

Sein 10-jähriges Bestehen feierte der Spreewelten Bahnhof Lübbenau am Samstag mit geladenen und zufällig vorbeischauenden Gästen. Insbesondere die Führungen durch die einzigartigen künstlerisch gestalteten Zimmer der Pension Spreewelten wurden gern angenommen.
So ließen sich die Besucher nicht lange bitten, als es von Matthias Greupner hieß: „Ich sortiere die Reisenden jetzt zu 10-er Paketen für die Führung.“ Als „Bahnhofsvorsteher für einen Tag“ kümmerte er sich persönlich um das Wohl der Besucher.

Gleich in der ersten Runde dabei waren auch Kerstin und Wolfgang Winzer mit drei befreundeten Pärchen. „Wir sind auf der Durchreise von Finsterwalde nach Berlin“, erzählt die Frau aus Massen. „Wir haben schon lange von der Pension gehört und wollten unbedingt einmal selbst die Zimmer anschauen“, ergänzt sie. So hat die kleine Reisegruppe extra einen Halt in Lübbenau eingelegt, um an der Besichtigung teilzunehmen. „Wir sind begeistert und kommen im Sommer wieder“, so das Resümee der Besucher nach dem Rundgang. „Nun müssen wir aber weiter“, ruft Kerstin Winzer im Weitergehen. Weiter geht es auch in der belebten Bahnhofsvorhalle: „Eins, zwei, drei … Abfahrt!“, Matthias Greupner vom SachsenDreyer winkt mit seiner Kelle und führt sogleich die nächste Gästegruppe in die Pension.

Seit Silvester 2006 begrüßt die Künstlerpension am Tor zwischen Lübbenauer Alt- und Neustadt ihre Besucher. Unter ihnen befinden sich auch immer wieder mal die Gestalter der Gästeunterkunft selbst. Diese können „ihr Zimmer“ nämlich jedes Jahr frei nutzen. „Anlässlich des 700-jährigen Stadtjubiläums habe ich das letztes Jahr öfter gemacht“, verrät Egidius Knops aus Berlin. Seit 1970 wohnt der gebürtige Holländer in der Hauptstadt. Seit zwölf Jahren ist Knops aktiv beim Bildhauersymposium „SpreewaldAtelier“ in der Spreewaldstadt Lübbenau dabei. Das von ihm gestaltete Zimmer „Unter und über Wasser“ gehört zu den beliebtesten Zimmern in der Pension Spreewelten. Das bestätigt auch Susann Bahnemann, Mitarbeiterin der Spreewelten GmbH am Bahnhof: „Das freundliche Zimmer mit den angeleuchteten Fischen von Herrn Knops wird am dritthäufigsten nachgefragt.“ Noch umschwärmter sind lediglich die „Kürbiskammer“ und der „Spreewald à la carte“ – beide entworfen von Steffen und Jan Mertens aus Cottbus beziehungsweise Potsdam.

„Es ist erstaunlich wie gut erhalten die Zimmer nach nunmehr zehn Jahren noch sind“, merkt Axel Kopsch, Prokurist der Spreewelten GmbH an. Das bestätigt auch Egidius Knops. Ihn freue besonders, die stetige Nachfrage nach den vielfältigen Zimmern. „Ich kenne andere Häuser mit ähnlichen Konzepten, wo das Thema einfach abgenutzt zu sein scheint“, erzählt der Künstler. Nicht so in Lübbenau. „Im vergangenen Jahr hatten wir in der Pension Spreewelten eine Auslastung von mehr als 60 Prozent“, berichtet Michael Jakobs, Geschäftsführer der Spreewelten, nicht ganz ohne Stolz. „Und das trotz der nicht unbedingt besten spreewaldtypischen Lage zwischen einer Bundesstraße und den regelmäßig befahrenen Bahngleisen“, fügt Jakobs hinzu. „Rückblickend können wir beim Spreewelten Bahnhof von einem erfolgreichen Projekt sprechen, das seinen Gesamtumsatz in den letzten zehn Jahren auf 880000 Euro mehr als verdoppelt hat.“

Anerkennung gab es dafür auch von Bürgermeister Helmut Wenzel: „Wie gut ist es doch, leistungsfähige Unternehmen im Ort zu haben wie die WIS mit ihren Töchtern, die sich Herausforderungen wie einem leer stehenden Bahnhofsgebäude stellen und damit Verantwortung übernehmen.“ Mehrere ostdeutsche Städte hätten sich derzeit mit ihren oft Denkmal geschützten, ungenutzten Bahnhofsgebäuden zu beschäftigen. „Es ist allemal besser, diese Objekte selbst in die Hand zu nehmen und zu gestalten, als zuzusehen, wie sie verkommen“, so der Rathauschef. Er freue sich, dass Lübbenau mit seinem sanierten und wieder funktionstüchtigen Bahnhof bereits seit zehn Jahren glänzen könne und abermals ein Vorbild für andere Kommunen darstelle.

„Davon könnte sich auch Bad Liebenwerda eine Scheibe abschneiden“, ist sich Brigitte Zipke aus der Kurstadt im Elbe-Elster-Kreis sicher. „Unser Bahnhofsgebäude wurde von außen auch schon saniert – aber von innen noch nicht. Das könnte doch eigentlich so schön werden, wie hier“, schlägt die Seniorin vor. Mit ihrem Mann Werner ist auch sie extra zum Bahnhofs-Jubiläum nach Lübbenau/Spreewald gekommen.

Hintergrund:
1880: Errichtung des Bahnhofsgebäudes
Nach 1990: Bahnhofsgebäude ist teilweise verlassen (nur noch stundenweiser Fahrkarten-Verkauf durch die Deutsche Bahn)
2005: WIS Wohnungsbaugesellschaft im Spreewald mbH erwirbt Bahnhofsgebäude

Im Januar 2006 wurden in dem historischen Gebäude erstmals durch die Spreewelten (damals noch „Spreewiesel GmbH“) Fahrkarten für die Deutsche Bahn verkauft. Damit sollte der für die Stadt Lübbenau/Spreewald so wichtige Ort wiederbelebt werden. Die Aktivitäten durch die Deutsche Bahn waren in den vorangegangenen Jahren nahezu eingeschlafen. „Der Bahnhof ist für Lübbenau strategisch wichtig gelegen, zwischen der traditionellen Altstadt und der jüngeren Neustadt“, erklärt Axel Kopsch, Prokurist der Spreewelten GmbH. „Solch ein Ort sollte ein Willkommens- und Aushängeschild für eine Stadt sein – vor allem, wenn sie touristisch so bedeutsam ist“, ergänzt Kopsch.

„Nur vom Fahrkartenverkauf könnten wir den Bahnhof jedoch nicht wirtschaftlich betreiben“, merkt der Leiter an. So kamen ziemlich schnell ein Fahrradverleih sowie eine kleine Information für Touristen inklusive Souvenir-Shop hinzu. Aus dem einstigen Mitropa-Restaurant ist mittlerweile das „Toskana“ – ein italienisches Restaurant geworden.

2006:
Anlässlich eines Wettbewerbsverfahrens Anfang 2006 zur Schaffung einer Künstlerpension sind 28 Entwürfe von verschiedensten Künstlern eingegangen. „Zwölf Ideen (elf Zimmer und die Lounge) haben wir damals verwirklichen lassen“, bestätigt Michael Jakobs, Geschäftsführer der Spreewelten GmbH.

Silvester 2006: Begrüßung der ersten Gäste in der Pension Spreewelten
Frühjahr 2007: Fertigstellung der Pension und Tag der offenen Tür
Mai 2007: aus der Spreewiesel GmbH wird die Spreewelten GmbH
Herbst 2012: Neugestaltung von zwei Zimmern in der Pension